Hilfe, die Straße platzt!

Starke Hitze kann Fahrbahnen schädigen. Dann ist vorausschauendes Fahren angesagt. Quelle: iStock/gehringj.

[07.06.2018] Bonn. Es ist Sommer, es ist heiß. Die Hitze flirrt auf der Straße, kurz darauf folgt der Starkregen. Den Autofahrern schwant Böses.

Auf den alten Beton-Autobahnen drohen sogenannte Blow-ups, auf den heißen Asphaltstraßen hinterlassen Autoreifen Spurrillen, in denen sich wenig später das Regenwasser staut.

Nicht immer warnen Schilder vor den Gefahren. Landet man dann unverhofft an der Leitplanke, ist die Gesetzeslage kompliziert. „Es ist grundsätzlich schwierig, Schäden aufgrund von Blow-ups oder Schlaglöchern durchzusetzen. Häufig bilden sie sich kurzfristig und sind auch nicht vorauszuahnen", erklärt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrs- und Strafrecht im Deutschen Anwaltverein.

Die Gefahren kennen

Blow-ups entstehen in der Regel auf alten Beton-Autobahnen, die sich im Gegensatz zum Asphalt nicht verformen. Bei länger währender Hitze über 30 Grad Celsius können sich die Platten an den Naht- und Reparaturstellen wölben, platzen und aufstellen, und das plötzlich - kreuzgefährlich vor allem für Motorräder.

Asphaltstraßen haben den Nachteil, dass sie sich bei starker Hitze verformen. Es entstehen Spurrillen. Der TÜV Rheinland warnt in diesem Zusammenhang vor nachlassender Griffigkeit und verlängerten Bremswegen. Außerdem lasse die Seitenhaftung nach, Autofahrer werden schneller aus der Kurve getragen.  Füllen sich die Rillen nach einem Starkregen mit Wasser, droht Aquaplaning.

Die Risiken sehen

Wer weiß, auf welcher Piste er gerade unterwegs ist, sollte sich auf die Gefahr einstellen: Augen auf bei Hitzegraden und nach starken Regenfällen! Tempo runter, bremsbereit und vorausschauend fahren, ausreichend Sicherheitsabstand wahren. Verkehrsfunk und Automobilklubs warnen meist vor den Gefahrenstellen. Besonders Motorradfahrer sollten diese dann meiden.

Die Rechtslage überblicken

Schadenersatz gibt es, wenn der Baulastträger – Land, Landkreis oder Gemeinde – seine Verkehrssicherungspflicht verletzt, die Fahrbahnen beispielsweise nicht engmaschig kontrolliert. Das Prinzip: Je wichtiger die Straße, desto häufiger die Kontrolle. Auf Autobahnen täglich, auf untergeordneten Straßen eher wöchentlich.

Oder wenn der Baulastträger den Schaden zwar erkannt, aber nicht ausreichend davor gewarnt oder ihn beseitigt hat. Und schließlich muss bewiesen werden, dass es auch bei eingehaltener Versicherungspflicht nicht zu einem Schaden gekommen wäre.

Das ist schwierig für die Geschädigten: „Denn beweisbelastet sind allein und ausschließlich sie. Und wenn es um vorangegangene Kontrollen geht, trifft den Versicherungspflichtigen nur eine sekundäre Darlegungspflicht", so Christian Janeczek.

Können Autofahrer also beispielsweise nicht nachweisen, dass der Schaden auf der Autobahn älter als ein Tag ist, hat die Rechtsverfolgung nur sehr geringe Chancen. Zudem gilt das Sichtfahrgebot: Autofahrer, die auf Sichtweite unterwegs sind, müssten in der Lage sein vor einer Schadstelle anzuhalten. So wird ein Mitverschulden regelmäßig in Betracht gezogen.

Den Schaden regulieren

Gehen die Forderungen auf Schadenersatz ins Leere, springt die Vollkaskoversicherung abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung ein. Dazu sollten Schaden, Unfallstelle und wenn möglich Tempo- oder Warnschilder mit Fotos dokumentiert, eventuelle Zeugen benannt sowie Polizei und Versicherung schnellstmöglich informiert werden.

Letzte Änderung: 07.06.2018Webcode: 0120048