Scheinwerfer bringen Licht ins Dunkel. Sie sorgen für Sicht und Sicherheit im Straßenverkehr. So weit, so gut. Scheinwerfer können aber auch blenden. Über die Hälfte der Fahrer fühlt sich laut einer ADAC-Umfrage durch sie besonders bei schlechter Sicht und in der Nacht gestört und gefährdet. Die Augen schmerzen, Ampeln, Verkehrszeichen und -teilnehmer werden oft spät gesehen. Und das, obwohl Hersteller mit immer besserem, innovativem Licht auf dem Markt punkten.
Wie also kann dieses Sicherheitsrisiko minimiert werden? Dr. Carsten Setzer, Vice President Automotive von Lichtspezialist ams Osram, über Blend-Ursachen, Nachrüst-Kits und die Verantwortung der Fahrer.
Woran liegt es, dass Autofahrer moderne Scheinwerfer als blendend empfinden?
Die Ursachen dafür sind noch nicht abschließend geklärt. Fakt ist: Diese Lichtsysteme erzeugen ein helles, präzises Licht, das die Sicht für den Fahrer deutlich verbessert. Gleichzeitig berichten andere Verkehrsteilnehmer von einer Blendwirkung. Eine Rolle spielt dabei vermutlich die subjektive Wahrnehmung – wer von einem älteren Halogensystem umsteigt, empfindet das neue Licht oft als intensiver. Hinzu kommt: Selbst modernste Scheinwerfer können blenden, wenn sie nicht korrekt eingestellt sind. Deshalb ist die präzise Ausrichtung von zentraler Bedeutung für eine sichere und rücksichtsvolle Fahrt. Um das Phänomen besser zu verstehen und weiter an Lösungen zu arbeiten, stehen wir im engen Austausch mit wissenschaftlichen Institutionen, Industriepartnern und Behörden.
Wie häufig sind Fahrzeuge mit falsch eingestelltem Licht unterwegs, und welche Rolle spielt das bei der Blendung?
Laut den Ergebnissen der Licht-Test-Wochen 2024 waren bei 8,2 Prozent der Pkw die Scheinwerfer zu hoch eingestellt. Bei Nutzfahrzeugen lag die Quote sogar bei 14,9 Prozent. Bereits ein einziges Fahrzeug mit falsch eingestelltem Licht kann auf kurzer Strecke viele entgegenkommende Fahrer blenden und bei jedem Einzelnen eine negative Blenderfahrung auslösen. Allen voran ist das ein erheblicher Risikofaktor – auch für die eigene Sicht.
Besonders nach einem Lampenwechsel oder bei älteren Fahrzeugen wird die korrekte Einstellung oft vernachlässigt. Als Partner der Licht-Test-Wochen empfehlen wir deshalb, die Fahrzeugbeleuchtung regelmäßig überprüfen zu lassen. Das kann im Rahmen der jährlichen Aktion oder bei jeder Wartung erfolgen. Denn korrekt eingestelltes Licht ist ein zentraler Beitrag zur Verkehrssicherheit für alle Beteiligten.
Was sind die Vorteile von LED-Technologien im Vergleich zu herkömmlichen Halogenlampen?
LEDs bieten eine deutlich höhere Lichtausbeute, eine längere Lebensdauer und eine bessere Energieeffizienz. Sie sorgen für klarere Lichtverhältnisse auf der Fahrbahn und verbessern damit die Sicht und Reaktionszeit. Ein echter Sicherheitsgewinn gerade bei Nachtfahrten. Das sieht auch der ADAC so und empfiehlt die Umrüstung ausdrücklich für ältere Fahrzeuge, die technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand sind.
Welche Möglichkeiten haben Besitzer älterer Fahrzeuge, ihre Lichtsysteme nachzurüsten?
Für viele gängige Fahrzeugmodelle sind inzwischen zugelassene LED-Nachrüstlösungen erhältlich, die herkömmliche Halogenlampen ersetzen können. Der Einbau lässt sich in vielen Fällen selbst vornehmen. Wenn jedoch eine Neueinstellung der Scheinwerfer erforderlich ist, empfiehlt es sich, eine Fachwerkstatt aufzusuchen. Auch die regelmäßige Kontrolle der Lichtanlage gehört zur Verantwortung jedes Fahrers.
Worauf sollten Autofahrer beim Kauf und Einbau von Nachrüst-Kits achten?
Entscheidend ist, dass das Nachrüst-Kit eine offizielle Straßenzulassung besitzt und für das jeweilige Fahrzeugmodell freigegeben ist. Nur so ist sichergestellt, dass die Lichtverteilung korrekt funktioniert und keine Blendung entsteht.
Denn Blendung ist mehr als nur ein subjektives Empfinden. Sie lässt sich messen und unterliegt klar definierten Grenzwerten. Deshalb werden unsere Produkte umfassend getestet, bevor sie auf die Straße kommen. Ein Beispiel: Unser beliebtestes Modell, die NIGHT BREAKER LED SPEED H7, unterschreitet die zulässigen Höchstwerte in Sachen Blendung um rund 50 Prozent. Hier kann es also einen Unterschied machen, genau hinzuschauen.
Wie entwickelt sich der Nachrüstmarkt? Welche Trends sehen Sie für die kommenden Jahre?
Der Nachrüstmarkt wächst kontinuierlich. Nicht zuletzt, weil das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Deutschland mittlerweile bei über zehn Jahren liegt. Viele Autofahrer möchten ihr Fahrzeug technisch aufwerten, ohne gleich ein neues zu kaufen. Der Trend geht zu hochwertigen, zugelassenen LED-Nachrüstlösungen, die einfach zu installieren sind.