Aussagen zu überhöhten Kosten beim Werkstattaufenthalt von Elektrofahrzeugen vermitteln ein verzerrtes Bild der Realität im Kfz-Gewerbe. Der Eindruck, Werkstätten würden bei E-Fahrzeugen pauschal höhere Arbeitskosten verlangen als bei Verbrennern, greift zu kurz und ignoriert die tatsächlichen Kostenstrukturen, so der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).
„Zusätzliche Investitionen in die Elektromobilität rechtfertigen einen anderen, angemessenen Stundenverrechnungssatz als bei klassischen Verbrennerfahrzeugen“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „Der tatsächliche Wartungsaufwand ist insgesamt jedoch geringer als beim Verbrenner, sodass die Gesamtkosten für Kundinnen und Kunden oft günstiger sind.“
Bei vergleichbaren Schadensreparaturen kann die Rechnung allerdings anders aussehen. Elektrofahrzeuge haben in der Regel mehr elektrische und komplexere Komponenten. Dabei gilt: Der Stundenverrechnungssatz einer Kfz-Werkstatt ist nicht mit dem Stundenlohn des Mechanikers gleichzusetzen. Er bildet zahlreiche Kostenfaktoren ab: Personalkosten, Qualifikation und Arbeitssicherheit, Kosten einer immer komplexeren Werkstattinfrastruktur mit Spezialwerkzeugen, gestiegene laufende Betriebskosten sowie Aufwendungen für Gewährleistung, Haftung und weitere betriebliche Risiken.
Gerade bei Elektrofahrzeugen sind diese Gesamtkosten für Betriebe deutlich gestiegen, denn Hochvolttechnik stellt neue technische, organisatorische und sicherheitsrelevante Anforderungen. Vor allem fabrikatsgebundene Betriebe haben aufgrund der Vorgaben der Fahrzeughersteller bereits erheblich in die Werkstattausstattung investiert.
“Stundenverrechnungssätze sind kein Instrument der Gewinnmaximierung, sondern dienen der Deckung real entstehender Kosten“, betont Peckruhn.
Herstellervorgaben sind für autorisierte Betriebe verbindlich. Dazu gehören kontinuierliche Schulungen für unterschiedliche Batteriesysteme, regelmäßige Zertifizierungen, strenge Sicherheitsauflagen sowie die Vorhaltung von Spezialwerkzeugen, Schutzausrüstung und Werkstattladeinfrastruktur. Diese Voraussetzungen sind zwingend, um E-Fahrzeuge warten und reparieren zu dürfen – und müssen wirtschaftlich abgebildet werden.
In der Gesamtschau der meisten Marken und Modelle sind die Reparatur- und Wartungskosten während der durchschnittlichen Haltedauer von Elektrofahrzeugen und Verbrennern vergleichbar.
“Klar ist: Verbrenner verursachen meist höhere Wartungsumfänge. Da mehr Teile verbaut werden, fallen die Stundenverrechnungssätze niedriger aus. Bei Elektrofahrzeugen ist der Wartungsaufwand geringer, die höheren Investitionskosten erfordern einen angepassten Stundenverrechnungssatz”, so Peckruhn.