ZDK-Halbjahresumfrage: Kfz-Gewerbe bleibt trotz guter E-Auto-Absätze unter Druck
Eine Woche vor Beginn der „Automechanika Frankfurt“ bleibt die Lage im deutschen Kfz-Gewerbe angespannt. Das zeigt eine aktuelle ZDK-Umfrage mit knapp 400 Autohäusern und Werkstätten, mehrheitlich kleinen und mittleren Betrieben. Der Fahrzeughandel steht weiter unter Druck, während sich das Werkstattgeschäft als stabilisierender Faktor erweist. Zugleich gewinnt die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen deutlich an Dynamik.
„Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Die Betriebe stellen sich auf die Veränderungen im Markt ein und treiben den Wandel aktiv voran. Gleichzeitig müssen sie mit steigenden Kosten, knappen Margen und hohen Investitionsanforderungen umgehen. Umso wichtiger ist, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam für Rahmenbedingungen sorgen, die diesen Anpassungsprozess nicht bremsen, sondern Investitionen und unternehmerisches Handeln ermöglichen“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn.
ZDK hebt E-Auto-Prognose deutlich an
Angesichts der veränderten Marktdynamik korrigiert der ZDK seine Jahresprognose für die E-Mobilität spürbar nach oben: Für 2026 erwartet der Verband rund 817.000 neue vollelektrische Fahrzeuge (BEV), 109.000 mehr als zum Jahreswechsel prognostiziert und 272.000 mehr als 2025 (545.000). Dazu kommen etwa 366.000 Plug-in Hybride (PHEV), sodass der ZDK insgesamt mit fast 1,2 Mio. neu zugelassenen E-Fahrzeugen rechnet. Beim Pkw-Gesamtmarkt bestätigt der ZDK seine Prognose von rund 2,95 Mio. Neuzulassungen. Es kommt also zu Verschiebungen von Verbrennerfahrzeugen hin zu elektrischen Antrieben.
Besonders dynamisch entwickelt sich der private BEV-Markt: Hier erwartet der ZDK für das laufende Jahr über 370.000 Neuzulassungen – etwa doppelt so viele wie 2025. Die neue E-Auto-Kaufprämie, ein breiteres Modellangebot und veränderte Kraftstoffpreise sorgen für zusätzliche Nachfrageimpulse.
„Der E-Auto-Markt gewinnt deutlich an Akzeptanz und Nachfrage. Die Kaufprämie setzt dabei erkennbare zusätzliche Impulse und trägt dazu bei, die Nachfrage gerade bei privaten Kunden anzureizen“, sagt Peckruhn. „Für einen nachhaltigen Markthochlauf reicht Förderung allein aber nicht. Entscheidend ist, dass Elektroautos beim Kauf und bei den laufenden Kosten bezahlbar sind.“
Kosten für Kunden entscheidend
Diese Einschätzung wird durch eine vom ZDK beauftragte Befragung der puls Marktforschung GmbH unter Kaufinteressierten gestützt: Für 36 Prozent der konkreten Kaufplaner ist ein BEV bereits die erste Wahl. Gleichzeitig gewinnen Anschaffungspreis sowie Kraftstoff- und Stromkosten an Bedeutung – die Kaufprämie ist damit ein zusätzlicher Impuls, aber nicht der alleinige Treiber der Nachfrage.
Auch die Alltagstauglichkeit bleibt ein wichtiger Faktor. 80 Prozent der BEV-interessierten Kaufwilligen möchten ein Elektroauto vor dem Kauf mehrere Tage im Alltag testen. Beim Ladeangebot sieht rund ein Drittel noch Lücken, während fast ein weiteres Drittel die öffentliche Ladeinfrastruktur derzeit nicht beurteilen kann, so die puls-Befragung im Auftrag des ZDK.
„Die Elektromobilität kommt stärker im Markt an. Entscheidend für den nächsten Wachstumsschritt sind jetzt Bezahlbarkeit, Alltagstauglichkeit und Beratung“, so Peckruhn.
Geschäftslage bleibt dennoch angespannt
Die positiven Signale bei der E-Mobilität können die insgesamt angespannte Geschäftslage bislang nicht überdecken. 44 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage schlechter oder eher schlechter als zu Jahresbeginn, nur 18 Prozent sehen eine Verbesserung. Auch bei den Umsatzerwartungen überwiegt der Pessimismus: 45 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, 22 Prozent mit einer Verbesserung.
„Die schwierige Lage im Fahrzeughandel ist noch nicht überwunden. Höhere Kosten, geringe Margen und regulatorische Belastungen für die Betriebe treffen auf eine weiterhin zurückhaltende Nachfrage“, so Peckruhn. „Das erschwert Investitionen und macht den notwendigen Wandel nicht leichter.“
Werkstattgeschäft bleibt Stabilitätsanker
Robuster zeigt sich das Reparatur- und Wartungsgeschäft – und damit ein zentraler Bereich des automobilen Aftermarkets, der bei der „Automechanika“ im Mittelpunkt steht. Rund 45 Prozent der Betriebe melden eine unveränderte Auftragslage, etwa 26 Prozent eine Verbesserung und knapp 30 Prozent eine Verschlechterung. Aftersales, Teilegeschäft und Kundenbindung bleiben damit wichtige Ertragssäulen, stehen aber ebenfalls unter Kosten- und Margendruck. „Unsere Unternehmen stellen sich darauf ein. Dafür brauchen sie politische Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen, statt sie mit immer neuen Kosten und Vorgaben auszubremsen.“
„Das Werkstattgeschäft hält die Branche stabil. Auf der bevorstehenden Automechanika Messe in Frankfurt – der Leistungsschau der Branche – zeigt sich wie stark sich der Aftermarket verändert: neue Antriebe, Digitalisierung und intelligente Werkstattlösungen stellen die Betriebe vor neue Aufgaben“, betont Peckruhn.